WAHRvergangenHEIT

Ausstellung im Landratsamt Tübingen vom 27. Januar bis 08. März 2019

Lilli-Zapf-Preis für Ausstellung "WAHRvergangenHEIT"

Zur Ausstellungseröffnung bekam das aus Schüler*innen und Lehrer*innen des Wildermuth-Gymnasiums bestehende
Kuratorenteam der Ausstellung "WAHRvergangenHEIT" den Lilli-Zapf-Preis verliehen.

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„Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart. Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren.“

Richard von Weizsäcker

WAHRvergangenHEIT

Die schwierige Erinnerung an den Nationalsozialismus und das Recht auf Wahrheit

In Deutschland ist die Aufklärung und, soweit überhaupt möglich, Wiedergutmachung der NS- Verbrechen ein Grundpfeiler der politischen Bildung bzw. der Demokratie.

Viele von uns Deutschen und namentlich wir Schülerinnen und Schüler sind in dem kaum hinterfragten Bewusstsein aufgewachsen, dass die deutsche Aufarbeitung ebenso beispielhaft gewesen sei, wie die NS-Verbrechen und der Holocaust beispiellos.

Foto: Henri Goergen

Aber stimmt das? Wurde die bundesdeutsche Gesellschaft umfassend über die Wahrheit aufgeklärt? Wurde das begangene Unrecht strafrechtlich verfolgt oder zumindest symbolisch gesühnt? Und wenn ja – wie weit ging und geht diese Aufklärung? Mit Begriffen wie „Vergangenheitsbewältigung“ oder „Aufarbeitung“ ist das Recht auf Wahrheit eng verbunden.

Lateinamerikanische Menschenrechtsorganisationen fordern schon lange, dass es in der bestehenden Rechtsprechung fest verankert wird. Es steht nicht nur den Opfern von Menschenrechtsverletzungen und ihren Angehörigen, sondern der gesamten Gesellschaft zu. Es beinhaltet den Anspruch der vollständigen Aufklärung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Kena Lorenzini – Museo de la Memoria y los Derechos Humanos

Daraus ergibt sich die Leitfrage unserer Ausstellung „WAHRvergangenHEIT“:

Wurde und wird der Umgang der Deutschen mit ihrer NS-Vergangenheit dem Anspruch des „Menschenrechts auf Wahrheit“ gerecht

Gerade in Zeiten, in denen wieder der Ruf nach einem Schlussstrich ertönt oder von Rechtspopulisten „eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ gefordert wird, steht eine Betrachtung der bereits erfolgten Aufarbeitung im Dienst des Rechts auf Wahrheit.

In unserer Ausstellung folgen die Besucher einem Zeitstrahl durch die deutsche Geschichte seit 1945 und lernen anhand exemplarischer Stationen einzelne Aspekte des Umgangs mit dem Nationalsozialismus kennen. Sie bekommen die Möglichkeit, das Erfahrene selbst zu bewerten und an der Norm des Rechts auf Wahrheit zu messen.